Deutsche

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1Deut|sche ['dɔy̮tʃ̮ə], die/eine Deutsche; der/einer Deutschen, die Deutschen/zwei Deutsche:
Angehörige des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende weibliche Person: eine typische Deutsche; sie ist Deutsche.
  2Deut|sche ['dɔy̮tʃ̮ə], das; -n <nur mit bestimmtem Artikel>:
die deutsche Sprache im Allgemeinen:
das Deutsche ist eine indogermanische Sprache; etwas aus dem Deutschen/vom Deutschen ins Französische übersetzen; der Konjunktiv im Deutschen.

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Deut|sche 〈n. 31; stets mit Art.〉
1. die deutsche Sprache
2. 〈in Zus.〉 einzelner Zweig der dt. Sprache (das Nieder\Deutsche)
3. die Aussprache der dt. Sprache, dt. Wesensart
● das typisch \Deutsche an ihm; etwas aus dem \Deutschen ins Französische übersetzen, übertragen; etwas aus dem Englischen ins \Deutsche übersetzen, übertragen
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Deut|sche(r) 〈f. 30 (m. 29)〉 jmd., der aus Deutschland stammt, dessen Muttersprache Deutsch ist, der zum deutschen Volk gehört ● alle \Deutschen; sie ist \Deutsche; sie hat einen \Deutschen geheiratet; ihr Mann ist \Deutscher

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1Deut|sche , die/eine Deutsche; der/einer Deutschen, die Deutschen/zwei Deutsche:
Angehörige des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende weibliche Person.
2Deut|sche , das; -n <nur mit best. Art.>:
die deutsche Sprache im Allgemeinen:
das D. ist eine indogermanische Sprache;
etw. aus dem -n/vom -n ins Französische übersetzen;
der Konjunktiv im -n.

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Deutsche,
 
Angehörige des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende Personen beziehungsweise Personen deutscher Abstammung; heute etwa 100 Mio. Im Sinne des GG ist Deutscher, »wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. 12. 1937 Aufnahme gefunden hat« (Art. 116 Absatz 1 GG). Der Begriff »Deutscher« im Sinne des GG ist demnach weiter gefasst als der des deutschen Staatsangehörigen. Deutsche sind außer den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland auch viele Aussiedler und Spätaussiedler (Staatsangehörigkeit).
 
 
Die Deutschen sind nach Herkunft und Sprache ein Teil der Germanen, die sich nach einer komplizierten, noch nicht völlig erforschten Ethnogenese seit etwa der Eisenzeit (1. Jahrtausend v. Chr.) in Mitteleuropa ausbreiteten. Doch kann man von Deutschen erst sprechen, nachdem bei und nach der Teilung des Fränkischen Reichs im 9. Jahrhundert n. Chr. in den germanischen Stämmen der östlichen Reichshälfte das Bewusstsein einer politischen Zusammengehörigkeit entstanden war. Der Name Deutsche ist daher zunächst als Unterscheidung, ja als Gegensatz zu der romanischen Bevölkerung des Westfränkischen Reichs und - seit den Romzügen der Ottonen - Italiens zu begreifen (deutsch). Die Deutschen schieden sich nach Sprache (deutsche Sprache) und Recht, später auch nach ihrer Geschichte von den »Welschen« der romanischen Welt. Dieser Vorgang begann in der Mitte des 9. Jahrhunderts, etwa zur Zeit der Straßburger Eide (842), und war im Wesentlichen nach einem Jahrhundert - der Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld (955) wird schon den »Deutschen« zugerechnet - abgeschlossen. Die Vorstellung einer gemeinsamen Abstammung der Deutschen entstand erst im 11. Jahrhundert. Selbst das Heilige Römische Reich (deutsche Nation) bedeutete nur eine zeitlich, ständisch und räumlich bedingte einigende Idee. Die Deutschen zeigten stets ein hohes Maß von landschaftlich geprägtem Individualismus, der seit dem Spätmittelalter die Herausbildung einer teilweise starken Landesautorität (Landesherrschaft) begünstigte.
 
Die Deutschen gliederten sich seit jeher in Stämme, von denen einige bis in die germanische Zeit zurückzuverfolgen sind. Nach der Völkerwanderung siedelten in dem heute von Deutsch Sprechenden bewohnten Gebiet folgende Großstämme: die Alemannen beiderseits des Oberrheins, die Baiern zwischen dem Böhmerwald, den Alpen bis zur Enns und zum Lech, die Franken beiderseits des Mittel- und Niederrheins, die Thüringer zwischen dem Main und dem Harz, die Sachsen zwischen der Elbe und dem Niederrhein, die Friesen auf den Nordseeinseln und an der Küste (»Altsiedelland«).
 
In der Karolingerzeit (7./8. -10. Jahrhundert) begann, um die wachsende Bevölkerung aufzunehmen, die Neusiedlung in Gestalt der Rodung. Diese »innere Kolonisation« ist dann jahrhundertelang in die Wälder und Berge vorgetrieben worden. Hierzu trat etwa gleichzeitig die »äußere Kolonisation«, der teils friedlicher, teils kriegerischer Erwerb von Gebieten außerhalb der Grenzen des aus dem Ostfränkischen Reich hervorgehenden Heiligen Römischen Reiches (»Marken«), die von Fremdstämmigen dünn besiedelt waren, besonders in den während der Völkerwanderung den Slawen überlassenen Gebieten östlich der Elbe, in Böhmen und dem heutigen Österreich (deutsche Ostsiedlung). Die Neusiedlung jenseits der alten Ostgrenze zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert zog starke Bevölkerungsteile aus dem Altsiedelland ab, die in den neuen Siedlungsräumen mit der einheimischen Bevölkerung (v. a. Slawen) zusammenwuchsen zu den Neustämmen. Die Ethnogenese der Deutschen war somit neben dem starken germanischen Element auch mit der Assimilation keltischen, römischen (romanischen) und slawischen Resteinflusses verbunden.
 
Die deutsche Ostsiedlung breitete sich in zeitlichen und räumlichen Wellen aus (8. Jahrhundert, 10. Jahrhundert, 12.-14. Jahrhundert). Dem Vordringen der Deutschen nach Osten folgte ein intensiver Landesausbau, dessen Ergebnis die Eindeutschung der Länder Österreich, Kärnten, Steiermark, Obersachsen, Schlesien, Brandenburg, Mecklenburg, Pommern, Preußen und der Randgebiete Böhmens und Mährens war. Darüber hinaus waren größere und kleinere Siedlungskerne weit nach Osteuropa hinein vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer entstanden.
 
Die (im Verhältnis zur damaligen Bevölkerungszahl) größten Bevölkerungsverluste erlitten die Deutschen im Dreißigjährigen Krieg. Betrug die Bevölkerung Deutschlands im 9./10. Jahrhundert schätzungsweise 2,5 bis 3 Mio. Menschen, so waren es 1618 etwa 20 Mio. Diese Zahl wurde erst gegen 1800 wieder erreicht. Von Mitte/Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts kamen hierzu Neusiedlungen der Deutschen in Ost- und Südosteuropa (Streusiedlungen deutscher Kolonisten ohne Veränderung der im 14. Jahrhundert entstandenen deutschen Siedlungsgrenze). Diese »deutsche Ostsiedlung der Neuzeit« v. a. entlang der österr.-türkischen Militärgrenze in Ungarn (»Donauschwaben«), aber auch in Brandenburg-Preußen (Kolonisation der Hohenzollern seit dem 17. Jahrhundert in Ostpreußen und im Oderbruch) sowie in Russland (Wolga-, Schwarzmeer- und Wolhyniendeutsche) stand an Zahl und Bedeutung der des Mittelalters bei weitem nach und hatte eher den Charakter gezielten Landesausbaus der absolutistischen Staaten Brandenburg-Preußen und Österreich. Andererseits wirkte seit dem Ende des Mittelalters (15./16. Jahrhundert) auch die Entstehung der Nationalstaaten der weiteren Ausbreitung der Deutschen nach Osten entgegen, besonders seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts.
 
Die nach absoluten Zahlen größten Bevölkerungsverluste erlitten die Deutschen mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges seit 1944. Aus dem Gebiet des Deutschen Reiches östlich von Oder und Neiße, aus Böhmen und Mähren, aber auch aus den anderen deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa wurden rd. 13 Mio. Deutsche vertrieben (zunächst ungeregelt, begleitet von Pogromen, dann bestimmt durch das Potsdamer Abkommen vom 2. 8. 1945); mehr als 2,5 Mio. Deutsche fanden durch Flucht, Vertreibung und Verschleppung den Tod. Der Krieg selbst hatte über 5 Mio. deutsche Tote gefordert. Durch die Vertreibung der Ostdeutschen wurde die deutsche Sprach- und Siedlungsgrenze nach Westen zurückgenommen.
 
Durch die Teilung Deutschlands (1949-90) waren die Deutschen - einbezogen in die Systemkonfrontation des »Kalten Krieges« und des Ost-West-Konflikts - gezwungen, in zwei verschiedenen deutschen Staaten zu leben; bis zur Wiederherstellung der deutschen Einheit (3. 10. 1990) behandelte die Bundesrepublik die Bürger der DDR als Deutsche im Sinne des GG und sicherte mit dem Festhalten an der Fortexistenz der einheitlichen deutschen Nation vielen Deutschen in der DDR - Flüchtlingen (Sowjetzonenflüchtlinge) beziehungsweise Ausreiseantragsstellern - die Möglichkeit zur Übersiedlung. (deutsche Geschichte)
 
 Wandlungen des Begriffs Deutsche
 
Durch die historisch-politische Entwicklung (Ausscheiden der Schweizer aus dem Verband der Deutschen seit dem 15., der Niederländer seit dem 16. Jahrhundert, der Österreicher seit 1866, Gründung des Deutschen Reichs von 1871, Zerfall Österreich-Ungarns 1918, Gebietsverluste des Deutschen Reichs 1919) haben sich Einengungen des Begriffs »Deutsche« und neue Sonderbegriffe ergeben. So hat man »deutsch« bevorzugt auf die Staatsbürger des Deutschen Reichs (Reichsdeutsche) angewendet, neben denen die Österreicher standen; in der Schweiz wurde der Begriff »deutschsprachig« üblich; innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie (1867-1918) war im amtlichen Gebrauch »deutsch« mit »deutschsprachig« identisch.
 
Unter Binnendeutschen (Inlandsdeutschen) verstand man in der Regel die deutschen Staatsangehörigen. Die außerhalb der deutschen Reichsgrenzen lebenden Deutschen wurden Auslandsdeutsche genannt; dazu gehörten: 1) die im Ausland wohnenden deutschen Staatsangehörigen (Auslandsreichsdeutsche); 2) die im Ausland lebenden Deutschen fremder Staatsangehörigkeit, die Deutsch sprachen und ihre deutsche Abstammung betonten. Unter dem Nationalsozialismus wurde 1933-45 besonders für die Deutschen, die jenseits der östlichen Reichsgrenze wohnten und nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen, die Bezeichnung »Volksdeutsche« verwendet.
 
 Die Deutschen in Europa und Übersee
 
Jenseits der Grenzen des Deutschen Reichs von 1937 lebten zahlreiche deutsche Volksgruppen, zum größten Teil direkt jenseits der Grenze und damit in Verbindung zur deutschen Kultur, zum kleineren Teil räumlich von ihr getrennt in Osteuropa oder Übersee. Jenseits der Ostgrenze werden räumlich und geschichtlich drei Gruppen unterschieden: 1) die seit dem Mittelalter vom Baltikum bis nach Siebenbürgen, im Übrigen meist an der Grenze des Heiligen Römischen Reichs siedelnden Deutsche; 2) die im 17. bis 19. Jahrhundert in Streusiedlungen nach Südosteuropa vorgedrungenen Deutschen; 3) die im 18. und 19. Jahrhundert ebenfalls in einzelnen Gruppen in Nordosteuropa angesiedelten Deutschen. Als weitere Gruppe kam hierzu im 19. und 20. Jahrhundert der deutsche Auswandererstrom nach Übersee.
 
Die Deutschen in Ost- und Südosteuropa:
 
Aus der Zeit der großen Ostsiedlung (etwa 1100 bis etwa 1350) stammten die Deutschen im Memelland und in Danzig, in Oberschlesien, um Bielitz und Teschen, in Böhmen (mit Prag), Mähren, Schlesien und der Slowakei, in Österreich (schon seit dem 8. Jahrhundert), im angrenzenden Westungarn, in Südkärnten, in der Untersteiermark und in Krain. Westpreußen und Posen wurden damals nur teilweise mit Deutschen besiedelt. Starke Gruppen kamen ins Baltikum (Estland und Lettland, Deutschbalten) und nach Siebenbürgen (Siebenbürger Sachsen).
 
Die Deutschen im Memelgebiet, in Danzig, Westpreußen (Pommerellen), Posen und Ostoberschlesien lebten bis 1918 im Königreich Preußen. Sie waren im Rahmen der mittelalterlichen Ostsiedlung, zu verschiedenen Zeiten, in das Gebiet des späteren Königreichs eingewandert. Die meisten Deutschen des Memelgebiets flohen Ende Juli 1944. Danzig war durch den Versailler Vertrag (1919/20) zur Freien Stadt (1920-39) gemacht worden, 1945 wurde es dem polnischen Staat eingegliedert. In den preußischen Provinzen Westpreußen und Posen lebten ebenfalls seit dem 13. und 14. Jahrhundert Deutsche, vom Deutschen Orden beziehungsweise von den polnischen Fürsten ins Land gerufen. Schon 1919 sank die Zahl der hier lebenden Deutschen durch Wegzug und durch Ausweisung. Viele der östlich der Oder-Neiße-Linie lebenden Deutschen flüchteten 1944-45 in das westliche und mittlere Deutschland (zur heutigen Lage Polendeutsche).
 
Die Sudetendeutschen aus den habsburgischen Kronländern Böhmen (Deutschböhmen genannt), Mähren und Österreichich-Schlesien bildeten nach den Österreichern, die heute eine eigenständige nationale Identität besitzen, die zweitgrößte deutsche Volksgruppe unmittelbar jenseits der Grenzen des Deutschen Reiches, zusammen mit einigen Siedlungsgebieten um Budweis, Iglau, Brünn, Olmütz u. a. In diesen seit 700-800 Jahren von Deutschen besiedelten Randgebieten Böhmens und Mährens wurden 1945 alle Sudetendeutschen zur Aussiedlung bestimmt, nachträglich sanktioniert durch die Beneš-Dekrete. Sie kamen v. a. in die amerikanisch und die sowjetisch besetzte Zone Deutschlands sowie nach Österreich. Etwa 250 000 Deutsche blieben im Land. Ein ähnliches Schicksal erlitten die Deutschen in der Slowakei, die seit dem 13. und 14. Jahrhundert als Bergleute nach Oberungarn gekommen waren (u. a. Zipser Sachsen). In der 1919 an Jugoslawien gefallenen Untersteiermark (Marburg an der Drau) und in dem 1919 an Italien gekommenen Kanaltal (Südkärnten) leben nur noch geringe Reste von Deutschen. Aus dem Mittelalter stammten auch die deutschen Sprachinseln in Krain, die ebenfalls 1919 an Jugoslawien kamen; während des Zweiten Weltkriegs wurden 1940/41 15 000 Jugoslawiendeutsche aus den Gebieten von Gottschee und Laibach ins Deutsche Reich umgesiedelt (»Vertragsumsiedler«).
 
Als größte der vom geschlossenen deutschen Sprachgebiet getrennten Gruppen bildeten die der Siebenbürger Sachsen seit um 1150 drei geschlossene Siedlungsgebiete (um Bistritz, Hermannstadt und Kronstadt). Ab 1944 flüchtete ein Teil von ihnen nach Deutschland und Österreich beziehungsweise teilte das Schicksal aller Rumäniendeutschen; besonders ab 1989 (bis 1993/94) ging ihre Zahl in Rumänien durch Auswanderung nach Deutschland stark zurück.
 
Nach den Türkenkriegen entstanden im habsburgischen Ungarn mehrere Siedlungsgebiete der Ungarndeutschen, dann der Banater Schwaben, der Deutschen in der Batschka, der Schwäbischen Türkei, Slawonien (»Donauschwaben«), im Gebiet von Sathmar (Sathmarer Schwaben) und im späteren Karpatorussland (Karpatendeutsche). Nach der ersten Teilung Polens (1772) traten hierzu deutsche Streusiedlungen in Galizien (Galiziendeutsche) und der Bukowina (Bukowina- beziehungsweise Buchenlanddeutsche), dazu die im 19. Jahrhundert entstandenen deutschen Siedlungen in Altrumänien, der Dobrudscha (Dobrudschadeutsche) und an der ehemaligen Militärgrenze in Bosnien. Die Schicksale dieser Volksgruppen waren nach 1918 unterschiedlich. Während die Deutschen im Kerngebiet Ungarns dort verblieben, wurde das Banat auf Ungarn, Rumänien und Jugoslawien verteilt, die Batschka auf die beiden Letzteren, Sathmar und die Bukowina fielen an Rumänien, Slawonien und Bosnien an Jugoslawien, Karpatorussland an die Tschechoslowakei, Galizien an Polen. Die Mehrzahl der Ungarndeutschen wurde 1944/45 ausgesiedelt beziehungsweise vertrieben; nur etwa 270 000 blieben im Land. Ein Teil der Rumäniendeutschen kam während des Zweiten Weltkriegs durch Umsiedlungsverträge nach Deutschland und Österreich beziehungsweise wurde (wie auch viele Ungarn- und Jugoslawiendeutschen) bei Kriegsende ab Dezember 1944 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt; nur etwa die Hälfte der deportierten Deutschen (über 700 000; v. a. Jugendliche und Frauen) kehrten zurück, zum Teil erst in den 50er-Jahren. Aus Jugoslawien wurden während des Zweiten Weltkriegs die Deutschen in Bosnien und »Restserbien« ebenfalls ins Deutsche Reich umgesiedelt. Aus dem Banat und der Batschka kamen nach 1945 zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene hinzu, die besonders im westlichen Teil Deutschlands und in Österreich aufgenommen wurden. Die Deutschen in Galizien wurden zumeist 1939/40 in das Deutsche Reich umgesiedelt (um 65 000; Vertragsumsiedler).
 
Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden neue Siedlungen von Deutschen in Russland (Russlanddeutsche). So kamen 1763-67 unter Katharina II. zu günstigen Bedingungen Deutsche in die Kirgisensteppe an der Wolga, seit 1787 in die Ukraine. Der dortige Zuzug wurde erneut durch Zar Alexander I. gefördert (1804-09), desgleichen seit 1814 der in das den Türken abgenommene Bessarabien (Bessarabiendeutsche); auf die Krim und in das Land nördlich und südlich des Kaukasus kamen ebenfalls Deutsche. Auch in Polen setzte im 18. Jahrhundert eine neue deutsche Siedlungsbewegung ein, jedoch nicht vom Staat, sondern von örtlichen Stellen ins Leben gerufen; sie ging nach den Teilungen Polens im russischen Herrschaftsgebiet weiter und endete in Kongresspolen erst mit der Bauernbefreiung 1861. Die größte dieser Streusiedlungen war die von Lodz, wo die deutschen Einwanderer seit 1820 eine Textilindustrie aufbauten. Von Kongresspolen aus wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als jüngste deutsche Gruppe in Osteuropa die Siedlungen im Cholmer und Lubliner Land, v. a. aber in Wolhynien (Wolhyniendeutsche) gegründet. Schließlich kam es noch zu einer privaten bäuerlichen Siedlung von Deutschen in Litauen, meist von Ostpreußen aus.
 
Die 1944 nach Deutschland geflüchteten 220 000 Russlanddeutschen wurden nach 1945 zum Teil (aus der SBZ) in das Innere der Sowjetunion verschleppt, ebenso die seit 1920 im rumänischen Staatsverband lebenden Bessarabiendeutschen. Von den Deutschen, die 1920/21 an Polen kamen, wurden nach dem »Polenfeldzug« 170 000 aus Wolhynien und Ostpolen umgesiedelt (1939-43), meist in die damaligen Reichsgaue Wartheland und Danzig-Westpreußen (Vertragsumsiedler).
 
Deutsche in Übersee:
 
Schon 1608 (Jamestown, Virginia) beginnend, kam es 1683 in Pennsylvania zur ersten größeren geschlossenen Siedlung von Deutschen in den USA (Germantown; Pennsylvania Dutch). Im 19. Jahrhundert, besonders stark seit 1848, wanderten viele Deutsche, v. a. aus dem katholischen Südwestdeutschland, in die USA aus (Deutsch-Amerikaner) und wurden im amerikanischen »Schmelztiegel« assimiliert (bis zum Ersten Weltkrieg über 5,5 Mio.). In Kanada begann um 1750 eine anfangs geringe Siedlung durch Deutsche (zwischen 1784/85 bis etwa 1830 starke Einwanderung von Pennsylvaniadeutschen, dann v. a. auch von Deutschen aus Osteuropa); die Zahl der Deutsch-Kanadier nahm im 19. Jahrhundert, dann nochmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nach 1945 wesentlich zu. Schon seit dem 17. Jahrhundert wanderten Deutsche auch nach Mittel- und v. a. Südamerika aus; hier haben sich - anders als in den USA - deutsche Sprache und Kultur in geschlossenen und Streusiedlungen erhalten. Nach vier Phasen deutscher Einwanderung (1816/17 bis in die 1820er-Jahre, 1851-59, um 1866-1900, um 1920-30) steht Brasilien an der Spitze der Zielländer; heute leben die Deutschen zumeist in den Staaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina, São Paulo und Paraná. In Argentinien wurde 1836 die erste deutsche Ansiedlung gegründet; bedeutend wurde die deutsche Einwanderung erst Ende der 1880er-Jahre. Ein neuer Zuzug kam nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. In Chile siedelten sich die ersten Deutschen zwischen 1846 und 1876 sowie 1882-90 an, u. a. 1850 bei Valdivia und in der Provinz Chiloé, später dann auch in Santiago, Valparaíso und Concepción.
 
In die übrigen Erdteile sind nur wenige Deutsche ausgewandert. In Australien, nach ersten deutschen Siedlern schon ab 1788/90, begann eine größere deutsche Einwanderung um 1838; bis 1914 war es neben der britischen die zweitstärkste Besiedlung. In Afrika siedelten Deutsche schon mit den Buren. In den Schutzgebieten des Deutschen Reiches (1883/84-1918) war klimatisch nur (Deutsch-)Südwestafrika für eine bodenständige deutsche Besiedlung geeignet, die sich dort auch erhalten hat (Namibiadeutsche).
 
 
Dokumentation der Vertreibung der D.n aus Ost-Mitteleuropa, hg. v. T. Schieder, 5 Bde. in 8 Tlen. (1954-61, Nachdr. 1984);
 
Atlas der dt. Volkskunde, N. F., hg. v. M. Zender, 3 Bde. (1959-96);
 K. Ploetz: Raum u. Bev. in der Weltgesch. Bev.-Ploetz, bearb. v. E. Kirsten u. a., 4 Bde. (31965-68);
 
Der Volksname Deutsch, hg. v. H. Eggers (1970);
 
Hb. der dt. Wirtschafts- u. Sozialgesch., hg. v. H. Aubin u. W. Zorn, 2 Bde. (1-21976-78);
 G. Franz: Der Dreißigjährige Krieg u. das dt. Volk (41979);
 L. Dralle: Die D.n in Ostmittel- u. Osteuropa. Ein Jahrtausend europ. Gesch. (1991);
 
D. im Ausland - Fremde in Dtl. Migration in Gesch. u. Gegenwart, hg. v. K. J. Bade (31993);
 
D. im Osten. Gesch., Kultur, Erinnerungen, bearb. v. Wolfgang Schulz, Ausst.-Kat. (1994);
 
Die D.n in Ostmittel- u. Südosteuropa. Gesch., Wirtschaft, Recht, Sprache, hg. v. G. Grimm u. a., 2 Bde. (1995-96);
 H. Nawratil: Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948. Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit (102001).

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1Deut|sche, der u. die; -n, -n <Dekl. ↑Abgeordnete>: Angehörige[r] des deutschen Volkes, aus Deutschland stammende Person: ein typischer -r; sie ist D.; die -n (die deutsche Mannschaft, die deutschen Sportler) haben die Fußballweltmeisterschaft gewonnen.
————————
2Deut|sche, das; -n <nur mit best. Art.>: die deutsche Sprache im Allgemeinen: das D. ist eine indogermanische Sprache; etw. aus dem -n/vom -n ins Französische übersetzen; der Konjunktiv im -n.

Universal-Lexikon. 2012.

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